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Von Schönheit, Licht und Schatten

Licht und Schatten bedingen sich gegenseitig, sind zwei Seiten einer Medaille und Sinnbild für die duale Welt, die ohne diese Dualität nicht existieren kann. Das Gute ist im Bösen und umgekehrt, das Schöne im Hässlichen, das Hässliche im Schönen, männlich und weiblich, heiß und kalt, die Reihe der Gegensätze ließe sich fortsetzen.


Es ist das ewige Yin und Yang, das unser Sein bestimmt und zu den universellen Gesetzmäßigkeiten gehört. Und so kommt es auf den Blickwinkel an, aus dem man schaut, empfindet, denkt, liebt und die Aufmerksamkeit lenkt. Jeder kennt das Phänomen: Das Hässliche wird schön, wenn man sich nur mit ihm beschäftigt und das Schöne verliert seinen Glanz in dem Moment, wo die Aufmerksamkeit entzogen wird.

Licht und Schatten sind dabei nicht nur Teil der Dualität, sondern vermögen Akzente zu setzen, zu beleuchten und zu verdunkeln. Zwischen diesen beiden Polen stehen die Grautöne, die Zwischentöne, die verbinden, was getrennt scheint. Sie unterstreichen die Kontraste, lassen Harmonien entstehen und miteinander „ins Gespräch“ kommen, was sich polarisiert gibt. Sie schaffen Aufmerksamkeit, Spannung und Erkenntnis.


Das Licht inspiriert, ist Zeichen des Göttlichen, der Schatten ist der immerwährende Begleiter. Das Licht ist Teil des göttlichen Schöpfungsaktes und nicht umsonst spricht man davon, dass ein Mensch bei seiner Geburt das „Licht der Welt erblickt“ oder in Italien „ins Licht geholt“ wird und im Tod wieder ins universelle Licht geht. Der Schatten dagegen ist die zweite Seite, die immer da ist, aber nicht immer sichtbar und teilweise beleuchtet werden muss, um ihm auf die Spur zu kommen. Dies gilt auch und gerade für die Schatten der Seele. Er gilt als das „zweite Ich“, dem man nicht entkommen kann und mit dem man sich auseinandersetzten darf, will man an sich wachsen. Denn der Schatten akzentuiert und arbeitet heraus, was im hellen Licht verborgen bleibt. Licht und Schatten sind nicht nur philosophisch, seelisch von großer Bedeutung, sondern sie sind auch immanenter Teil künstlerischen Schaffens. Künstler sind Meister von Licht und Schatten, wissen damit zu spielen und gezielt einzusetzen. Sie kennen das dialektische Spannungsfeld. Daraus entwickeln sich Kreativität und Wirkung. Räume bilden sich im Zusammenspiel von Hell und Dunkel, Tiefe und Dimensionen werden sichtbar, ebenso wie Nähe. Licht und Schatten geben aber auch Natur und Landschaft ihren Reiz im Laufe der Jahres- und Tageszeiten, spielen mit Formen, Farben und Dimensionen. Berühmt für ihr außergewöhnliches Licht ist die Toskana, die das Ideal einer Landschaft verkörpert und synonym für landschaftliche Harmonie steht. Kaum ein Landstrich, der die Italiensehnsucht so komprimiert, wie diese Region.

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